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Lourdeswallfahrt 2012

  „Das fühlt sich an wie Gott“- so lautet ein berühmtes Zitat eines behinderten Kindes,
das in Lourdes war und in Worte gefasst hat, was eigentlich unaussprechbar ist. 
Und auch
die Pilger aus dem Pastoralverbund Welver und Scheidigen durften während ihres
einwöchigen Aufenthalts in dem Kleinod kurz vor den Pyrenäen, wo die Mutter
Gottes einem kleinen Mädchen, namens Bernadette, erschienen ist, mehrere
solcher Erfahrungen machen. 
 

 

Unter dem Motto „Mit Bernadette den Rosenkranz beten“, machten sich 26 Pilger des
Pastoralverbunds Welver und Scheidingen mit dem Zug, dem Bus oder dem Flugzeug
auf dem Weg nach Lourdes. Die Gruppe samt Leitern Pastor André Aßheuer,
Gemeindereferentin Dorothee Topp sowie Simone Teimann zählte so zu den insgesamt
550 Pilgern des Lourdvereins Westfalen, begleitet vom Paderborner Weihbischof
Matthias König und unter anderem auch dem Werler Propst Michael Feldmann.  
 
In diesem
Jahr lud der Lourdesverein Westfalen besonders zur Jugend- und
Messdienerwallfahrt ein. Diese stand unter dem Motto „Gott du kennst mich“ aus
dem Psalm 139, der die Jugendlichen in mehreren Messen und Andachten begleitete.
 
War es für
einige schon die dritte Fahrt mit dem Pastoralverbund, fuhren manche Pilger zum
ersten Mal mit nach Lourdes. Bei einem Programm von einer Messe pro Tag,
Beichten und täglichen Prozession mag wohl so mancher Jugendlicher denken, dass
es in der französischen Provinz öde und vor allen Dingen „uncool“ sei, „aber in
Lourdes haben wir gelernt, dass es ganz normal sein kann, fromm zu sein“, so
Weihbischof Matthias König. Die Jugendlichen spürten in dem ganzen besonderen
Ambiente von Lourdes, dass die Kirche jung und lebendig ist und nicht wie oft
tituliert staubig und mit veralterten Riten.  
Der
Weihbischof äußerte sich weiter: „Aus Lourdes können wir aus dem großen Ganzen
den Glauben für unsere Heimatgemeinden mitnehmen. Wir konnten uns hier
inspirieren lassen.“ 
Ob bei
Pontifikalämtern des Lourdesvereins Westfalen oder in der internationalen Messe
in Latein, die Messdiener aus Welver und Scheidingen konnten in einer ganz
anderen Dimension dienen und so weiter Motivation für den Dienst in den
Gemeinden finden.  
 
Eingewoben
in die große Schar aus Westfalen und den restlichen tausenden Gläubigen aus
aller Welt konnten Messen, Sakraments- und Lichterprozession zu erlebnisreichen
Ausdrücken des Glaubens werden, in denen der Einzelne mitgetragen wurde. Es
wurde ein ganz anderes Gefühl von Glauben vermittelt, als es oft daheim der Fall
ist.
Selbst die
Beichte, als oft nicht wahrgenommenes Sakrament, durch eine Katechese des Bischofs
eingeleitet, riss jung und alt mit, wie es in der Heimat oft nicht ist. Besonders
beeindruckend war für die Pilger,  mit
tausenden Menschen verschiedener Nation zu beten und die Zusammenkunft von Jung
und Alt bei den so genannten „Pferdchen-Diensten“, dem Schieben der Kranken
durch die Jugendlichen. 
 
Neben den
Messen und Prozessionen stand ein Ausflugstag auf dem Programm, bei dem die
Jugendlichen und Erwachsenen entweder in die Bäder von Lourdes gehen konnten,
die  Möglichkeit hatten die Ordensgemeinschaft
Genaccolo zu besuchen, oder auf einen Berg wandern konnten. 
Besonders emotional war dabei der
Besuch der Bäder, der für viele Pilger auf Grund des Eintauchens in kaltes
Quellwasser Überwindung gekostet hat. Aber das Baden in dem Lourdeswasser
bedeutet viel mehr als Baden im herkömmlichen Sinne. Es bedeutet auch eine
Tauferneuerung und die Abwaschung der Sünden. „Gott umschließt dich ganz“, so
heißt es in jenem Psalm 139, der genau auf diese  Situation zutrifft. So entstand auch das
berühmte Zitat „Das fühlt sich wie Gott an!“ eines behinderten Kindes, nachdem
es in den Bädern war. Ein Jugendlicher formulierte während des Wartens vor den
Bädern „Hier brauch man sich beim Beten nicht zu schämen“.   
Bei dem
Ausflug in die Ordensgemeinschaft Genaccolo besuchten die Jugendlichen Drogenabhängige,
die durch gemeinsames Gebet und Arbeit wieder aus der Sucht herausgefunden
haben. Es war für sie erstaunlich zu sehen, mit welchen begrenzten Mitteln die
Männer aus ihrer Sucht gekommen sind und so wurde ihnen klar, wie wichtig Gott
im Leben sein kann. Die neuen Messdiener aus Welver und Scheidingen bekommen
zur Einführung einen Rosenkranz geschenkt, den die ehemals Abhängigen  Jugendlichen und Erwachsenen dort in
Handarbeit knüpften. 
 
Nachdem Bus
und Flugpilger am Donnerstag nach der Abschlussmesse Lourdes verließen konnten
die 17 Zugpilger aus dem Pastoralverbund nach einer bewegenden Woche in Lourdes
noch mit der Seilbahn den pic de jer mit seinen fast 1000m erklimmen und in
einer Höhle die aufgeschobenen tektonischen Platten Eurasien und Afrika als Grund
für das Pyrenäengebirge erkunden. Diese Verschiebung spürten die Pilger auch,
als am Morgen nach der Ankunft ein Erdbeben sie unsanft aus dem Schlaf riss.
In der
Gemeinschaft durch die gemeinsamen Erlebnisse in Lourdes gestärkt traten die 17
Zugpilger am frühen Freitagmorgen die Heimreise an. Der Rückweg mit einem
Besuch von Sacre Coeur im Pariser Stadtviertel Monmartre rundete die Tage ab.
Die
nächste Wallfahrt des Lourdesvereins steht im Jahre 2013 in der letzten Woche
der Sommerferien vom 26.08. bis zum 3.9. an. 
 
Mit einer
Menge Glück im Gepäck kamen die Pilger des Pastoralverbunds Welver und
Scheidingen am Freitagabend wieder in der Heimat an. In den Familien werden  sie  versuchen, auf die Fragen  diese
einmaligen, unaussprechbaren  Erlebnisse
aus Lourdes in Worte zu fassen und dabei sicher Zitate wie „Das hat sich wie
Gott angefühlt“ fallen lassen. Großes Erschrecken herrschte, als die Pilger aus
Welver und Scheidingen erfuhren, dass in Lourdes und ganz Frankreich starke
Unwetter herrschten und so der komplette Heilige Bezirk unter Wasser stand und
viele Gebäude verwüstet wurden.  *tobi