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Anselmo Mangamba in Welver eingetroffen

Vor genau einem Jahr, am 13.9.2013 wurde ein schreckliches Säureattentat auf der auch bei Deutschen als Ferienziel sehr beliebten Insel Sansibar verübt. Opfer war der katholische Priester Father Anselmo Mwang'amba. Er erlitt schwere Verätzungen in Gesicht, Armen und Brust. Die Täter konnten unerkannt entkommen.
Da die Krankenhäuser in Tansania mit derartigen Verletzungen überfordert sind, wurde Father Anselmo Mwang'amba zweimal zur Behandlung nach Indien geschickt. Die dortigen drei- und einmonatigen Aufenthalte mit anschließender Rückkehr ins tropische Sansibar brachten jedoch nicht den gewünschten Heilerfolg.
Auf Initiative von Guido Korzonnek vom Kalamu Verlag Berlin, für dessen Schulgeld-Spendenprojekt Father Anselmo Koordinationspartner ist, konnte der Priester nun für weitere plastische Behandlungen nach Deutschland geholt werden. Korzonnek, seit mehr als 20 Jahren mit dem Opfer befreundet, hatte mit einem ersten Spendenaufruf im März dieses Jahres bereits den Flug zur zweiten Behandlung in Indien finanzieren können. Gleichzeitig arbeitete er mit Hasnat Mia, Vorsitzender des Vereins 'FOR-Bangladesh e.V.' mit Hochdruck daran, Father Mwang'amba für weitere plastische Eingriffe nach Deutschland zu holen. In Zusammenarbeit mit Dr. Helge Schablowski (Oberarzt und Vorstandsmitglied bei FOR- Bangladesch, Zentrum für Orthopädie und Unfallchirugie, St. Anna Hospital Herne), Pastor André Aßheuer aus Welver, Dr. Denis Simunec (Oberarzt am Klinikum Stadt Soest) sowie dem Erzbistum Paderborn ist dies nun gelungen:
Am 28.9.2014 traf Father Anselmo Mwang'amba aus Sansibar in Welver ein, um zwei Tage später im Klinikum Stadt Soest behandelt zu werden. Finanziert wird die Behandlung durch Missio Aachen. Im Anschluß wird sich Father Mwang'amba noch einige Monate zur Rekonvaleszenz in Welver im Pfarrhaus wohnen und immer wieder den Weg ins Klinikum antreten müssen zu Nachbehandungen. Die Pfarrei St. Maria Welver hat bereits das Nötigste organisiert, so wird die Sprachlehrerin Heidi Gerdes wieder einspringen und dem Father die Deutsche Sprache lernen, Fahrdienste wurden eingerichtet, Kleidungsstücke organisiert, die Messdiener haben sich um Handykarten gekümmert und im Gottesdienst wird des Säureopfers immer wieder gedacht. Schon bald wird man sich freuen, mit diesem die Hl. Messe in den Kirchen der Pfarrei feiern zu können. Eine große Welle der Hilfsbereitschaft zu spüren.
 
Father Anselmo Mwang'amba, seit mehr als 30 Jahren im Priesterdienst auf Sansibar, hat in vielen Pfarreien Basisarbeit geleistet und, abgesehen von seiner seelsorgerischen Arbeit, Brunnen gebohrt, Kindgärten und Gesundheitsstationen eingerichtet. Für den Kalamu Verlag ist er Ansprechpartner eines Schulgeldprojektes, in denen Waisenkindern die weitere Ausbildung finanziert wird.
In den letzten Jahren hat sich der Konflikt zwischen den Religionen deutlich verschärft. Obwohl ein Großteil der zu 90% muslimischen Bevölkerung Sansibars jegliche Gewalt ablehnt, wird die mit der somalischen Al-Shabaab in Verbindung gebrachte Bewegung 'Uamsho' ('Erweckung') wiederholt mit Anschlägen in Zusammenhang gesetzt. Gerade die katholische Kirche ist in hohem Maße betroffen: am 25.12.12 wurde Father Ambrose Mkenda angeschossen und am 17.02.2013 Father Evaristus Gabriel Mushi erschossen. Diese Anschläge könnten jedoch auch in Zusammenhang mit der Weihnachtsansprache 2012 des Welver nicht unbekannten Bischofs von Sansibar, Augustine Shao, gesehen werden, in der dieser die in Sansibar etablierten Drogenkartelle anprangerte und im Oktober 2010 in Welver mehrere Tage zu Gast war.
Im Anschluss an seine Predigt erhielten alle katholischen Kleriker Sansibars Morddrohungen, viele verließen die Insel. Father Anselmo Mwang'amba war einer der wenigen, die blieben, und er geriet durch seinen Mut in Gefahr. Nun kann ihm ein wenig geholfen werden.
Verbunden mit dem Einsatz für Father Anselmos Gesundheit, soll diese Aktion auch als Zeichen der Tat gesehen werden. Sowohl für die deutsche, als auch und im besonderem Maße für die tansanische Öffentlichkeit. Reden, Betroffenheitsbekundungen und Absichtserklärungen allein lösen keine Problem, nur Handeln stärkt die Zivilgesellschaft und lässt sie gewahr werden, dass es Alternativen gibt zu plumpen Parolen und religiös verbrämter Hetze.